AI SUMMARY – Was Sie vor dem Lesen wissen sollten
- In den meisten getesteten Äpfeln wurden Pestizidrückstände gefunden.
- Häufig handelt es sich um mehrere Chemikalien gleichzeitig.
- Die EU bewertet Pestizide bislang einzeln, nicht in Kombination.
- Eine umfassende Risikobewertung wird erst für die kommenden Jahre erwartet.
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Äpfel gelten als Sinnbild gesunder Ernährung. Doch eine neue europaweite Untersuchung zeigt, dass selbst dieses alltägliche Lebensmittel häufig Rückstände mehrerer Pestizide enthält. Die Ergebnisse werfen grundlegende Fragen zur Art und Weise auf, wie Lebensmittelsicherheit in der Europäischen Union bewertet wird.
Die Analyse von 59 Apfelproben aus 13 EU-Staaten wurde von Pesticides Action Network Europe durchgeführt. Wie Euractiv berichtet, enthielten 93 Prozent der getesteten Proben mindestens ein Pestizid. In 85 Prozent der Fälle wurden sogar mehrere Wirkstoffe gleichzeitig nachgewiesen.
Während der europäische Durchschnitt bei drei Pestiziden pro Apfel lag, stachen einige Länder besonders hervor. In Tschechien und Luxemburg fanden Labore bis zu sieben verschiedene Substanzen in einer einzigen Probe. Auch Äpfel aus Ungarn und Kroatien wiesen eine vergleichsweise hohe Belastung auf.
Die meisten Proben lagen unter den gesetzlich zulässigen Höchstwerten. Dennoch warnen Experten vor einem sogenannten Cocktail-Effekt. Dabei können mehrere Chemikalien in Kombination andere oder stärkere Wirkungen entfalten als einzeln betrachtet. Die derzeitige Regulierung erfasse diese Realität nicht ausreichend, so die Kritik.
Der Fokus richtet sich dabei auch auf die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit. Obwohl EU-Recht seit Jahren die Berücksichtigung kumulativer Effekte vorsieht, ist ein umfassendes System zur Bewertung solcher Risiken bislang nicht vollständig umgesetzt. Die Behörde verweist auf den hohen technischen und wissenschaftlichen Aufwand und rechnet mit einem Abschluss der Arbeiten erst gegen Ende des Jahrzehnts.
Bis dahin bleibt eine Lücke zwischen regulatorischem Anspruch und praktischer Umsetzung – mit möglichen Folgen für das Vertrauen der Verbraucher.