AI SUMMARY – Was Sie vor dem Lesen wissen sollten
- Die EU errichtet mit AMLA eine neue zentrale Behörde zur Bekämpfung von Geldwäsche.
- Der Sitz der Behörde wird in Frankfurt am Main sein.
- AMLA soll ab 2028 vollständig operativ arbeiten.
- Kryptowährungen und neue Zahlungsformen stehen besonders im Fokus.
Hauptartikel
Die Europäische Union treibt den Aufbau einer neuen zentralen Aufsichtsbehörde zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung voran. Die Anti-Money Laundering Authority, kurz AMLA, wird ihren Sitz in Frankfurt am Main haben und soll ab dem Jahr 2028 ihre volle operative Leistungsfähigkeit erreichen. Dies teilte die Behörde in dieser Woche mit.
Die Gründung von AMLA ist eine Reaktion auf jahrelange Kritik an den fragmentierten nationalen Kontrollsystemen innerhalb der EU. Wiederholte Geldwäscheskandale hatten deutlich gemacht, dass kriminelle Netzwerke bestehende Lücken zwischen den Mitgliedstaaten systematisch ausnutzen konnten. Der Vorschlag zur Einrichtung der Behörde wurde bereits 2021 vorgelegt, nachdem mehrere Untersuchungen massive Defizite in der europäischen Finanzaufsicht offengelegt hatten.
AMLA wird als erster gesamteuropäischer Aufseher seiner Art fungieren. Anders als bisherige Koordinierungsstellen erhält die Behörde direkte Eingriffsbefugnisse. Sie soll rund 40 der risikoreichsten Finanzinstitute in der EU unmittelbar beaufsichtigen. Dazu zählen Banken, Zahlungsdienstleister sowie Unternehmen, die Handel und Verwahrung von Kryptoassets ermöglichen.
Nach Angaben der Behörde wird noch in diesem Jahr eine einheitliche Methodik zur Risikobewertung abgeschlossen. Die Auswahl der beaufsichtigten Institute soll 2027 beginnen. Parallel dazu schreitet der Personalaufbau voran. Bereits jetzt wurden 120 der insgesamt geplanten 432 Stellen besetzt, womit das Etappenziel für 2025 erreicht wurde.
Besondere Aufmerksamkeit richtet AMLA auf neue technologische Entwicklungen im Finanzsektor. Kryptowährungen, digitale Zahlungsplattformen und innovative grenzüberschreitende Transaktionsmodelle stellen die Aufsichtsbehörden vor neue Herausforderungen. Laut Experten wurden im vergangenen Jahr weltweit Finanzwerte in Höhe von mehr als 80 Milliarden US-Dollar über Kryptoassets gewaschen – ein drastischer Anstieg im Vergleich zu vor fünf Jahren.
AMLA-Direktorin Bruna Szego betonte, dass Europa mit der neuen Behörde einen grundlegenden Systemwechsel vollziehe. Statt nationaler Einzelmaßnahmen setze man künftig auf einen gemeinsamen, risikobasierten Ansatz, der die zunehmende Komplexität moderner Finanzkriminalität abbilde.
Trotz des starken Fokus auf digitale Vermögenswerte weisen Fachleute darauf hin, dass Terrorismusfinanzierung weiterhin überwiegend über klassische Geldströme erfolgt. AMLA soll daher nicht nur technologische Innovationen überwachen, sondern auch traditionelle Finanzkanäle effektiver kontrollieren.
Mit der neuen Behörde will die EU langfristig die Stabilität und Glaubwürdigkeit ihres Finanzsystems stärken. Der Weg zur vollständigen Einsatzfähigkeit ist jedoch bewusst schrittweise angelegt, um rechtliche Sicherheit und institutionelle Stabilität zu gewährleisten.