Mi.. Mai 20th, 2026

PRAG – Ein mögliches Treffen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin werde in den Köpfen beider Politiker als Begegnung „zweier besonders harter Mafiabosse“ inszeniert, die unter sich einen Deal aushandeln und diesen anschließend schwächeren Partnern aufzwingen wollten. Das sagte der Politologe und Amerika-Experte Kryštof Kozák von der Karls-Universität dem tschechischen Portal TN.cz.

Kozák beschreibt damit ein Verhandlungsverständnis, das auf persönlicher Macht, Dominanz und bilateralen Absprachen beruhe – und weniger auf multilateralen Prozessen oder der Einbindung von Verbündeten. „Trump hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er Europa bei solchen Gesprächen kaum einbezieht, weil er es für zu schwach und handlungsunfähig hält“, sagte der Experte. Diese Sichtweise erkläre, warum ein mögliches Gipfeltreffen zunächst als exklusiver Dialog zwischen Washington und Moskau gedacht werde.

Gleichzeitig warnte Kozák vor der Annahme, ein Konflikt – insbesondere der Krieg in der Ukraine – lasse sich ohne Zustimmung Kiews lösen. Ein tragfähiges Ergebnis sei ohne die Einbindung europäischer Partner kaum vorstellbar. „Wenn es überhaupt eine Lösung geben soll, muss die Ukraine zustimmen, und das wird vermutlich nicht ohne die Unterstützung Europas funktionieren“, betonte er.

Der Politologe sieht zudem eine Verschiebung im Druckaufbau Trumps. Während die ukrainische Seite aus seiner Sicht bereits stark unter Druck gesetzt worden sei, richte sich der Fokus nun zunehmend auf Russland. In Trumps Wahrnehmung sei es Putin, der eine Einigung bislang blockiere. Ziel sei es, Moskau so weit „an die Wand zu drücken“, dass eine Waffenruhe und ein anschließender Friedensprozess attraktiver erscheinen als die Fortsetzung des Krieges.

Analytisch betrachtet verweist Kozáks Einschätzung auf ein wiederkehrendes Muster in Trumps Außenpolitik: personalisierte Diplomatie, die auf bilaterale Deals setzt und institutionelle Rahmen bewusst umgeht. Kritiker sehen darin das Risiko, komplexe Konflikte zu vereinfachen und die Interessen betroffener Staaten zu marginalisieren. Befürworter argumentieren hingegen, dass unkonventioneller Druck Bewegung in festgefahrene Situationen bringen könne.

Ob ein solches Treffen tatsächlich zustande kommt und welche Rolle Europa und die Ukraine dabei spielen würden, bleibt offen. Klar ist jedoch, dass die Erwartungen an einen schnellen „Deal“ mit erheblichen geopolitischen Spannungen kollidieren – und dass die Wahrnehmung von Stärke und Schwäche selbst zum politischen Faktor geworden ist.

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