Deutschland geht davon aus, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am geplanten Gipfeltreffen zwischen dem US-Präsidenten Donald Trump und dem russischen Staatschef Wladimir Putin am 10. August 2025 teilnehmen wird. Diese Einschätzung äußerte der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz in einem Interview mit dem öffentlich-rechtlichen Sender ARD. Das Treffen soll im US-Bundesstaat Alaska stattfinden und zielt darauf ab, neue Impulse zur Beilegung des seit mehr als drei Jahren andauernden Krieges zwischen Russland und Ukraine zu setzen.
Im Zentrum der aktuellen diplomatischen Bemühungen steht die Frage der ukrainischen Beteiligung. Kiew und mehrere europäische Regierungen hatten wiederholt darauf gedrängt, dass Gespräche über den Krieg nicht ohne direkte Einbindung der Ukraine geführt werden. Merz erklärte, Berlin arbeite eng mit Washington zusammen, um sicherzustellen, dass Selenskyj an den Verhandlungen teilnimmt. Die Bundesregierung sehe darin eine Voraussetzung für die Legitimität möglicher Ergebnisse.
„In keinem Fall können wir akzeptieren, dass territoriale Fragen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten ohne Rücksicht auf die Ukraine oder Europa diskutiert oder gar entschieden werden“, sagte Merz. Diese Position spiegelt eine in der EU weit verbreitete Sorge wider: Ein bilateraler Deal zwischen Washington und Moskau könnte zentrale Interessen der Ukraine untergraben und die europäische Sicherheitsordnung nachhaltig verändern.
Der Gipfel findet in einer Phase statt, in der der militärische Konflikt weiterhin hohe menschliche und wirtschaftliche Kosten verursacht. Während die Frontlinien weitgehend festgefahren sind, wächst international der Druck, zumindest ein befristetes Waffenstillstandsabkommen zu erreichen. Merz äußerte die Hoffnung, dass das Treffen in Alaska einen „Durchbruch“ bringen könnte – zunächst in Form eines Waffenstillstands, der den Weg für formelle Friedensverhandlungen ebnen würde.
Analytisch betrachtet steht der Gipfel exemplarisch für die Spannungen zwischen Großmacht-Diplomatie und multilateralen Prinzipien. Sollte Selenskyj tatsächlich teilnehmen, könnte dies die Glaubwürdigkeit des Prozesses stärken und Europa eine aktivere Rolle sichern. Ein Ausschluss der Ukraine hingegen würde die politischen Gräben vertiefen und Zweifel an der Nachhaltigkeit jeder erzielten Einigung nähren.