AI SUMMARY / Was Sie wissen sollten, bevor Sie weiterlesen
- Eine 19-jährige Britin wurde nachts in Hertfordshire Opfer eines sexuellen Übergriffs; der Täter erhielt eine Haftstrafe von viereinhalb Jahren.
- Die Tat wurde von einer Überwachungskamera aufgezeichnet, was zu einer schnellen Festnahme führte.
- Das Opfer spricht nach dem Urteil offen über Trauma, Erleichterung – und anhaltende Angst.
- Der Fall entfacht erneut die Debatte über Abschiebung verurteilter ausländischer Straftäter in Großbritannien.
Als das Gericht in St Albans sein Urteil verkündete, war es für Abbie Johnson ein Moment widersprüchlicher Gefühle. Erleichterung darüber, dass der Mann, der sie sexuell angegriffen hatte, zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wurde – und zugleich die Erkenntnis, dass ein Urteil allein die seelischen Folgen der Tat nicht beendet. Die heute 19-Jährige sprach nach dem Prozess erstmals öffentlich über das Geschehene und darüber, warum sie den staatlichen Schutz weiterhin für unzureichend hält.
Der Übergriff ereignete sich in den frühen Morgenstunden des 3. Mai des vergangenen Jahres in Bishop’s Stortford, einer Kleinstadt in der englischen Grafschaft Hertfordshire. Gegen 2.50 Uhr hielt sich Johnson mit Freunden im Freien auf und spielte Verstecken, als sie sich kurzzeitig allein in einem Gebüsch befand. Dort wurde sie von Ahmadreza Khalafi, damals 29 Jahre alt, verfolgt und sexuell angegriffen.
Tat unter Kamerabeobachtung
Der etwa zehn Minuten andauernde Angriff wurde von einer Überwachungskamera erfasst. Ein Sicherheitsmitarbeiter, der die Aufnahmen live verfolgte, erkannte die Situation und alarmierte umgehend die Polizei. Beamte trafen nur wenige Minuten später ein und nahmen den Täter fest. Ermittler bezeichneten den schnellen Zugriff später als entscheidend für die Sicherung von Beweisen und den weiteren Verlauf des Verfahrens.
Die Videoaufzeichnung wurde während des Prozesses vorgeführt. Johnson selbst entschied sich jedoch bewusst dagegen, die Bilder anzusehen. „Ich wusste, dass ich das emotional nicht ertragen würde“, erklärte sie später in einem Interview.
Illegale Einreise und Gerichtsverfahren
Im Verlauf der Ermittlungen stellte sich heraus, dass Khalafi im Juli 2024 illegal nach Großbritannien eingereist war. Er hatte sich in einem Lastwagen versteckt, der aus dem Iran kam, wo er zuvor als Traktorfahrer gearbeitet hatte. Nach seiner Ankunft lebte er in der Gegend von Thornbera Gardens.
Am ersten Prozesstag vor dem St Albans Crown Court bekannte sich Khalafi schuldig in vier Anklagepunkten wegen sexueller Belästigung. Das Gericht verurteilte ihn zu viereinhalb Jahren Haft sowie zu einem dreijährigen erweiterten Überwachungszeitraum nach seiner Entlassung. Zusätzlich wurde ein zehnjähriges Kontaktverbot gegenüber dem Opfer verhängt.
Der vorsitzende Richter Jonathan Mann bezeichnete Khalafi als „sexuellen Predatoren“, der gezielt eine verletzliche junge Frau angegriffen habe. Herkunft oder kultureller Hintergrund könnten ein solches Verhalten niemals entschuldigen, betonte er. „Jeder weiß, was richtig und was falsch ist“, sagte Mann bei der Urteilsverkündung.
„Ich habe ein Stück Kontrolle zurückgewonnen“
Nach dem Urteil sprach Johnson in einem Interview mit GB News über ihre Gefühle. Die Höhe der Strafe habe ihre Erwartungen übertroffen, sagte sie. „Anfangs war von etwa 18 Monaten die Rede. Dass es nun viereinhalb Jahre plus weitere Auflagen sind, bedeutet mir sehr viel.“ Besonders schwer sei es gewesen, dem Täter im Gerichtssaal erneut zu begegnen. „Zu sehen, wie er Reue vortäuscht, war kaum auszuhalten“, sagte sie. Der Moment, als er abgeführt wurde, habe sich jedoch befreiend angefühlt. „Ich hatte das Gefühl, ein Stück Kontrolle über mein Leben zurückzubekommen.“
Gleichzeitig machte sie deutlich, dass die psychischen Folgen bleiben. Flashbacks und Angst seien Teil ihres Alltags geworden. „Das verschwindet nicht einfach“, sagte sie. „Aber ich habe gekämpft – und ich habe Gerechtigkeit erreicht.“
Forderung nach Abschiebung
Johnson äußerte zudem den Wunsch, dass Khalafi nach Verbüßung seiner Haftstrafe abgeschoben wird. Sie fühle sich unsicher bei dem Gedanken, dass er weiterhin im Land bleiben könnte. Ihre Mutter Stacey Johnson unterstützte diese Forderung öffentlich und appellierte an Eltern, wachsam zu sein. Wer als Ausländer nach Großbritannien komme und schwere Straftaten begehe, solle das Land verlassen müssen, sagte sie.
Die Polizei von Hertfordshire Police lobte die Entschlossenheit des Opfers und erklärte, erste Bewertungen hätten Khalafi als hohes Risiko für weitere Sexualstraftaten eingestuft. Ein Sprecher des Home Office teilte mit, dass alle ausländischen Staatsangehörigen mit Haftstrafen automatisch auf eine Abschiebung geprüft würden, räumte jedoch ein, dass internationale Menschenrechtsverpflichtungen Ausnahmen vorsehen.
Im Jahr bis Oktober 2025 wurden in Großbritannien 5.430 ausländische Straftäter abgeschoben – ein Anstieg von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Fall von Abbie Johnson zeigt jedoch, dass hinter diesen Zahlen individuelle Schicksale stehen und die Frage nach Sicherheit und Schutz von Opfern weiterhin offen bleibt.