In Belgien beginnt eines der meistbeachteten Umweltverfahren der letzten Jahre. Hunderte Einwohner aus der Umgebung eines Industriewerks des US-Konzerns 3M werfen dem Unternehmen vor, sie über Jahre hinweg sogenannten „Ewigkeitschemikalien“ ausgesetzt zu haben — Stoffen, die sich in der Natur praktisch nicht abbauen und sich langfristig im menschlichen Körper anreichern.
Der Prozess, der in Brüssel startet, ist Teil einer wachsenden internationalen Welle von Verfahren rund um die gesundheitlichen Folgen von PFAS-Substanzen. Umwelt- und Gesundheitsrisiken ähnlicher Art werden regelmäßig auch auf LiveWorldUpdates.com analysiert.
Belastung nahe Antwerpen entdeckt
Erhöhte Schadstoffwerte wurden erstmals 2021 rund um das 3M-Werk in Zwijndrecht nahe Antwerpen festgestellt. Bluttests bestätigten anschließend, dass Hunderte Bewohner hohe Konzentrationen von PFOS im Körper aufwiesen — einer PFAS-Chemikalie, die in der Industrie als wasser- und schmutzabweisende Schutzschicht verwendet wird.
PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) werden seit Jahrzehnten eingesetzt: in Antihaft-Kochgeschirr, wasserabweisender Kleidung, Feuerlöschschaum oder fleckenresistenten Teppichen. Gerade ihre extreme chemische Stabilität macht sie problematisch — sie zerfallen kaum und bleiben über Generationen in Umwelt und Organismus erhalten.
Daher werden sie von Forschern oft als „Forever Chemicals“ bezeichnet.
Forderungen von rund 30 Millionen Euro
Etwa 1.400 Kläger verlangen jeweils 20.000 Euro als Vorsorgerücklage für mögliche spätere Gesundheitsschäden. Laut ihrem Anwalt Geert Lenssens könnten Krankheiten erst Jahrzehnte später auftreten — vergleichbar mit Asbestfällen.
Neben Gesundheitsrisiken führen die Betroffenen auch einen möglichen Wertverlust ihrer Immobilien an.
3M erklärte, die PFAS-Produktion im Werk bereits 2024 eingestellt zu haben. Auf Grundlage einer Vereinbarung mit Behörden aus dem Jahr 2022 investiert das Unternehmen rund 500 Millionen Euro in die Sanierung von Boden und Grundwasser. Zudem kündigte der Konzern an, die weltweite PFAS-Herstellung bis Ende 2025 vollständig zu beenden.
Bedeutung über Belgien hinaus
PFAS gehören zu den am intensivsten diskutierten Chemikalien weltweit. Studien bringen langfristige Belastung mit Leberschäden, erhöhtem Cholesterin, geschwächtem Immunsystem, geringem Geburtsgewicht und mehreren Krebsarten in Verbindung.
Der Fall könnte daher weit über Belgien hinaus Folgen haben und zukünftige EU-Regulierungen beeinflussen. Ein Urteil wird frühestens in einem Monat erwartet — doch bereits jetzt gilt das Verfahren als möglicher Präzedenzfall für zahlreiche weitere Klagen in Europa.