Do.. Mai 21st, 2026

LONDON/BERLIN — Europa steht nach Ansicht führender Militärs vor einem historischen Wendepunkt. Die obersten Vertreter der Streitkräfte Deutschlands und des Vereinigten Königreichs erklärten, steigende Verteidigungsausgaben seien keine Vorbereitung auf einen Krieg, sondern ein Versuch, ihn zu verhindern. In einem gemeinsamen Beitrag rufen sie die Öffentlichkeit dazu auf zu verstehen, dass sich die Sicherheitslage auf dem Kontinent seit dem russischen Angriff auf die Ukraine grundlegend verändert hat.

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Das Ende der „Friedensdividende“

General Carsten Breuer und der britische Generalstabschef Richard Knighton weisen darauf hin, dass Europa jahrzehntelang von der sogenannten Friedensdividende profitierte — der Reduzierung der Militärbudgets nach dem Kalten Krieg. Die frei gewordenen Mittel flossen in Sozialprogramme, Infrastruktur und Gesundheitswesen.

Diese Phase sei nun vorbei. Der Krieg in der Ukraine habe gezeigt, dass ein großer konventioneller Konflikt in Europa keine historische Erinnerung mehr sei, sondern eine reale Möglichkeit.

Nach Einschätzung der Militärs modernisiert Russland seine Streitkräfte, sammelt Kampferfahrung und steigert die Waffenproduktion. Dadurch wachse das Risiko eines Konflikts mit NATO-Staaten — insbesondere dann, wenn die Allianz als schwach oder gespalten wahrgenommen werde.

Abschreckung als Schutzmechanismus

Vor diesem Hintergrund erhöhen europäische Staaten ihre Verteidigungsausgaben deutlich. NATO-Mitglieder vereinbarten auf einem Gipfel, die Ausgaben schrittweise auf rund fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2035 zu steigern.

Deutschland plant unter anderem eine dauerhafte Stationierung einer Kampfbrigade an der Ostflanke der Allianz. Großbritannien baut seine Munitionsproduktion aus und modernisiert seine Rüstungsindustrie. Laut den Generälen handelt es sich dabei nicht um Militarisierung, sondern um eine Anpassung an die neue sicherheitspolitische Realität.

Ihr Kernargument: Eine starke Verteidigung reduziert die Wahrscheinlichkeit eines Krieges — Schwäche erhöht sie.

Sicherheit als gesellschaftliche Aufgabe

Die Militärführer betonen zudem, dass Verteidigung heute weit über das Militär hinausgeht. Moderne Konflikte umfassen Cyberangriffe, Desinformation, Energieversorgung und kritische Infrastruktur. Daher sei ein gesamtgesellschaftlicher Ansatz notwendig — von Industrie bis Zivilschutz.

Ihre Erklärung folgte auf die Münchner Sicherheitskonferenz, bei der auch diskutiert wurde, dass die Vereinigten Staaten von Europa mehr Eigenverantwortung in der Verteidigung erwarten.

Die Generäle sehen ihre Position nicht als Kriegsrhetorik, sondern als strategische Vorsorge. Die Geschichte zeige, dass Konflikte eher dort entstehen, wo Aggressoren Schwäche erkennen.

„Stärke schreckt ab. Schwäche lädt zur Aggression ein“, so ihr Fazit.

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