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Wissenschaftler schlagen Alarm: „Gehirnfressende Amöben“ breiten sich aus – der Klimawandel verändert die Risikolandkarte

By Thomas Maieler
9. Februar 2026 3 Min Read
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AI SUMMARY – Was Sie vor dem Lesen wissen sollten

  • Die tödliche Amöbe Naegleria fowleri breitet sich durch steigende Wassertemperaturen in neue Regionen aus.
  • Infektionen sind extrem selten, verlaufen jedoch in bis zu 99 Prozent der Fälle tödlich.
  • Das Risiko besteht vor allem beim Baden in warmem Süßwasser und bei Nasenspülungen mit ungekochtem Wasser.
  • Auch Europa verzeichnet inzwischen bestätigte Fälle, darunter ein tödlicher Fall in der Slowakei.

LONDON — Freilebende Amöben, einzellige Mikroorganismen, die natürlicherweise in Böden und Gewässern vorkommen, rücken zunehmend in den Fokus von Wissenschaftlern und Gesundheitsbehörden. Der Grund: Der Klimawandel schafft Bedingungen, unter denen sich besonders gefährliche Arten ausbreiten können – allen voran die sogenannte „gehirnfressende Amöbe“ Naegleria fowleri.

Darauf weist die Mikrobiologin Manal Mohammed in einer Analyse für die wissenschaftliche Plattform The Conversation hin. Steigende Temperaturen, längere Hitzeperioden und häufiger genutzte Naturgewässer begünstigten die Ausbreitung dieser Organismen in Regionen, in denen sie früher kaum vorkamen.

Unsichtbare Gefahr im Wasser

Freilebende Amöben kommen weltweit in Seen, Flüssen, Teichen, Thermalquellen und sogar in Wasserleitungen vor. Die meisten Arten sind für den Menschen harmlos. Einige jedoch können schwere Erkrankungen verursachen, wenn sie unter bestimmten Umständen in den Körper gelangen.

Naegleria fowleri bevorzugt warmes Süßwasser mit Temperaturen zwischen 30 und 40 Grad Celsius. Solche Bedingungen treten heute nicht mehr nur in tropischen Regionen auf, sondern zunehmend auch in gemäßigten Klimazonen, insbesondere während intensiver Sommerhitze.

Fast immer tödlich

Die Infektion erfolgt nicht durch das Trinken von Wasser, sondern wenn kontaminiertes Wasser über die Nase in den Körper gelangt – etwa beim Tauchen, Springen ins Wasser oder bei Nasenspülungen mit nicht abgekochtem Wasser. Die Amöbe wandert entlang des Riechnervs direkt ins Gehirn und verursacht dort eine primäre amöbische Meningoenzephalitis, eine extrem aggressive Entzündung des Gehirns.

Nach Angaben der Centers for Disease Control and Prevention liegt die Sterblichkeitsrate bei 95 bis 99 Prozent. Die Erkrankung entwickelt sich rasch, erste Symptome treten oft innerhalb weniger Tage auf. Eine wirksame Behandlung existiert bislang nicht.

Warum die Amöbe so schwer zu bekämpfen ist

Obwohl Amöben grundsätzlich empfindlich auf Chlor und Desinfektionsmittel reagieren, sind sie in der Praxis schwer zu eliminieren. Sie können sich in sogenannten Biofilmen – schleimigen Schichten aus Mikroorganismen in Rohrleitungen oder Wasseranlagen – verstecken und so der Desinfektion entgehen.

Zudem besitzen sie die Fähigkeit, sich in widerstandsfähige Zysten zu verwandeln, die extreme Bedingungen überstehen. Fachleute warnen außerdem vor dem sogenannten „Trojaner-Effekt“: Amöben können andere Krankheitserreger in sich aufnehmen und schützen, darunter Bakterien wie Legionellen oder sogar Viren.

Klimawandel als Risikoverstärker

Steigende Temperaturen verlängern die Badesaison und erhöhen die Wassertemperaturen in Seen und Flüssen. Dadurch erweitert sich das potenzielle Verbreitungsgebiet von Naegleria fowleri. In Europa wurden in den vergangenen Jahren vereinzelte Fälle gemeldet, unter anderem in Spanien, Italien und Belgien.

Besondere Aufmerksamkeit erregte ein tödlicher Fall in der Slowakei: Ein elfjähriger Junge starb nach dem Baden in warmem Süßwasser. Es handelte sich um den ersten offiziell bestätigten Fall dieser Art im Land. Die Gesundheitsbehörden reagierten mit verschärften Kontrollen und Warnhinweisen.

Geringes Risiko, aber erhöhte Wachsamkeit

Experten betonen, dass Infektionen äußerst selten sind und das Risiko für die Allgemeinbevölkerung sehr gering bleibt. Dennoch seien Präventionsmaßnahmen entscheidend. Dazu zählen die sorgfältige Wartung von Badeanlagen, das Vermeiden des Tauchens in warmem Süßwasser bei hohen Temperaturen sowie die Nutzung von Nasenklammern.

Für medizinische Nasenspülungen empfehlen Fachleute ausschließlich abgekochtes oder sterilisiertes Wasser zu verwenden. Die zunehmende Ausbreitung der Amöbe gilt als weiteres Beispiel dafür, wie der Klimawandel bislang seltene Gesundheitsrisiken in neue Regionen trägt.

Tags:

GesundheitsrisikenKlimawandelNaegleriaFowleriÖffentlicheGesundheit
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Thomas Maieler

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