Mi.. Juli 22nd, 2026

Die ukrainische Hauptstadt Kyjiw erlebt in diesem Januar ihre schwerste Energiekrise seit Beginn des russischen Angriffskrieges. Nach wiederholten Angriffen auf die Energieinfrastruktur verfügt die Stadt nur noch über etwa die Hälfte der benötigten Stromkapazität. Bürgermeister Vitalij Klitschko bestätigte, dass rund 600.000 Einwohner der Aufforderung zur vorübergehenden Evakuierung gefolgt seien und die Stadt verlassen hätten.

Bei Temperaturen um minus 20 Grad Celsius trifft der Krieg die Zivilbevölkerung mit besonderer Härte. Klitschko erklärte, Russland nutze den Winter gezielt, um den Widerstand der Bevölkerung zu brechen. Massive Raketen- und Drohnenangriffe am 9. Januar legten große Teile der Wärmeversorgung lahm, wodurch etwa die Hälfte der Wohngebäude ohne Heizung blieb.

In den folgenden Tagen kam es zu weiteren Angriffen, die Strom-, Wasser- und Wärmeversorgung wiederholt unterbrachen. Selbst staatliche Einrichtungen, darunter das ukrainische Parlament, waren zeitweise ohne Energie.

Die Stadtverwaltung appellierte an Einwohner mit alternativen Unterkunftsmöglichkeiten, Kiew vorübergehend zu verlassen. Ziel sei es, den Druck auf die beschädigte Infrastruktur zu verringern und lebenswichtige Dienste für jene aufrechtzuerhalten, die bleiben müssen. Besonders betroffen sind Familien mit Kindern, ältere Menschen und Kranke.

Schulen bleiben mindestens bis Anfang Februar geschlossen. Viele Einwohner berichten, dass sie nur ein oder zwei Stunden Strom pro Tag hätten, wenn überhaupt. Notstromaggregate sichern lediglich kritische Einrichtungen wie Krankenhäuser.

Der Krieg gegen die Energieversorgung ist Teil einer langfristigen russischen Strategie. Seit 2022 werden gezielt Kraftwerke und Netze angegriffen. Doch die Kombination aus extremer Kälte und anhaltenden Angriffen verschärft die Lage dramatisch.

Die Situation in Kiew zeigt, dass der Krieg längst nicht mehr nur an der Front geführt wird. Energie, Wärme und Wasser sind zu zentralen Faktoren des Überlebens geworden – und zu Waffen in einem Konflikt, der zunehmend die Zivilgesellschaft ins Visier nimmt.

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