AI SUMMARY – Was Sie vor dem Lesen wissen sollten
- Ungarn hat offiziell mit dem Bau des Kernkraftwerks Paks II begonnen.
- Das Projekt wird mit russischer Beteiligung umgesetzt.
- Die Investitionssumme beträgt rund 12,5 Milliarden Euro.
- Der Bau verschärft politische Spannungen innerhalb der EU.
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Ungarn hat ein deutliches Signal gesetzt: Trotz politischer Kritik und internationalem Druck hat die Regierung in Budapest mit der zentralen Bauphase des Kernkraftwerks Paks II begonnen. In der südungarischen Stadt Paks markierte das Gießen des ersten Betons den offiziellen Start eines Projekts, das als Grundpfeiler der nationalen Energiepolitik gilt.
Außenminister Péter Szijjártó erklärte, Ungarn werde seine energiepolitischen Entscheidungen unabhängig treffen – ungeachtet der Kritik aus Brüssel, Washington oder von der ungarischen Opposition. Der Bau von Paks II sei notwendig, um langfristige Versorgungssicherheit und stabile Strompreise zu gewährleisten.
Das Kraftwerk ergänzt die bestehende Anlage nahe Paks, die derzeit rund ein Drittel des ungarischen Strombedarfs deckt. Die neuen Reaktoren sollen ältere Blöcke ersetzen und die Lebensdauer der Kernenergie in Ungarn um mehrere Jahrzehnte verlängern.
Die technische Umsetzung liegt in den Händen der russischen Staatsgesellschaft Rosatom. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf etwa 12,5 Milliarden Euro. Rund 80 Prozent davon werden über einen russischen Staatskredit finanziert, der Rest stammt aus ungarischen Haushaltsmitteln.
Politisch ist das Projekt hochsensibel. Die Vereinbarung wurde bereits 2014 zwischen Ministerpräsident Viktor Orbán und dem russischen Präsidenten Vladimir Putin geschlossen. Kritiker sehen darin eine problematische Abhängigkeit von Russland, insbesondere vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges.
Ungarns Regierung weist diese Vorwürfe zurück und argumentiert, dass Kernenergie eine stabile und klimafreundliche Energiequelle sei. Die Teilnahme der Internationale Atomenergie-Organisation an der Zeremonie soll zudem internationale Sicherheitsstandards unterstreichen.
Paks II steht damit exemplarisch für den energiepolitischen Sonderweg Ungarns innerhalb der Europäischen Union – und für die wachsenden Spannungen zwischen nationaler Souveränität und gemeinsamer europäischer Linie.