Mi.. Mai 20th, 2026

Berlin – Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius hat die europäischen Staaten zu einem selbstbewussteren Auftreten gegenüber der US-Regierung aufgerufen. In einem Interview mit der Mediengruppe RND warnte er davor, politische Entscheidungen aus Angst zu treffen. Europa müsse souveräner und unabhängiger werden, ohne das transatlantische Bündnis infrage zu stellen, berichtete die Agentur DPA.

Pistorius kritisierte eine Haltung, die er mit dem Bild „der Hase vor der Schlange“ beschrieb. Wer sich einschüchtern lasse, verliere den Blick für notwendige Reformen und Investitionen – insbesondere im sicherheits- und verteidigungspolitischen Bereich.

Kritik an Trumps Vorgehen

Mit Blick auf Präsident Donald Trump sagte Pistorius, dessen Politik setze auf Verunsicherung, um Ziele durchzusetzen. Diese Strategie könne kurzfristig Druck erzeugen, führe aber langfristig zu Fehlentscheidungen. Besonders sensibel sei Trumps Interesse an Grönland, das Fragen nach der Verlässlichkeit innerhalb des Bündnisses aufwerfe.

Gleichzeitig betonte Pistorius die gegenseitige Abhängigkeit: Europa sei für die USA von zentraler geoökonomischer und geostrategischer Bedeutung. Ein starkes Europa liege daher im ureigenen Interesse Washingtons.

Strategischer Kontext

Der Minister warnte vor einem Szenario, in dem Europa in den Einflussbereich Russlands geriete. Sollte Wladimir Putin Erfolg haben und die USA aus Europa zurückdrängen, wären die Vereinigten Staaten strategisch zwischen Russland und China eingeengt. Ein solcher Machtverlust wäre aus amerikanischer Sicht kaum akzeptabel.

Ramstein und NATO

Pistorius hob die Bedeutung der Ramstein Air Base hervor, die als wichtigste US-Luftwaffenbasis außerhalb der Vereinigten Staaten gilt. Sie spiele eine Schlüsselrolle für Einsätze im Nahen Osten und die Koordination verbündeter Streitkräfte.

Zugleich zeigte sich der Minister überzeugt, dass die NATO weiterhin Bestand haben werde. Es gebe keine Hinweise auf einen Rückzug der USA aus der Allianz.

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