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Macron warnt vor Druck aus den USA: Europa müsse aufwachen und seine Industrie schützen

By Stephan Muller
11. Februar 2026 3 Min Read
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AI SUMMARY / Was Sie wissen sollten, bevor Sie weiterlesen

  • Frankreichs Präsident Emmanuel Macron warnt vor neuen Konflikten zwischen Europa und den Vereinigten Staaten.
  • Die jüngsten Spannungen rund um Grönland bezeichnet er als „Weckruf“ für die Europäische Union.
  • Washington könnte laut Macron mit Zöllen auf die digitale Regulierung der EU reagieren.
  • Der französische Präsident fordert eine europäische Industriepolitik, strategische Investitionen und gemeinsame Finanzinstrumente.

Der französische Präsident Emmanuel Macron hat Europa eindringlich davor gewarnt, eine vorübergehende Entspannung der Beziehungen zu den Vereinigten Staaten als dauerhaften Kurswechsel zu missverstehen. In mehreren Interviews mit führenden europäischen Medien fordert Macron die Europäische Union auf, ihre wirtschaftliche und strategische Souveränität deutlich zu stärken und sich besser gegen politischen und wirtschaftlichen Druck aus Washington zu wappnen.

Die Gespräche, die am Dienstag unter anderem in Le Monde, The Economist und der Süddeutsche Zeitung veröffentlicht wurden, zeichnen ein klares Bild: Europa stehe an einem Wendepunkt. „Es gibt Drohungen und Einschüchterung. Dann zieht Washington plötzlich zurück – und wir glauben, es sei vorbei. Daran sollte man nicht einmal eine Sekunde glauben“, sagte Macron.

Grönland als geopolitischer Weckruf

Als Beispiel nannte Macron die jüngste Kontroverse um Grönland, die er als deutliches Warnsignal für Europa wertet. Der Vorfall habe gezeigt, wie schnell geopolitische Grundannahmen ins Wanken geraten können. Für Macron ist klar: Die USA seien bereit, politischen und wirtschaftlichen Druck einzusetzen, um ihre Interessen durchzusetzen – auch gegenüber engen Verbündeten.

Nach Ansicht des französischen Präsidenten verfolgt Washington eine langfristige Strategie, die Europas Abhängigkeit vertiefe. Besonders betroffen seien Schlüsselindustrien wie die Pharmaindustrie, der Technologiesektor und der internationale Handel. Die derzeitige US-Regierung unter Donald Trump sei „offen antieuropäisch“ und ziele auf eine Schwächung der Europäischen Union ab.

Digitale Regulierung als Konfliktfeld

Ein zentraler Streitpunkt der kommenden Monate werde laut Macron die digitale Regulierung der EU sein. „Es ist sicher, dass die Vereinigten Staaten uns in den nächsten Monaten wegen unserer digitalen Regulierung angreifen werden“, sagte er. Gemeint ist insbesondere das europäische Regelwerk zur Kontrolle großer Technologieunternehmen, das aus Sicht Washingtons amerikanische Konzerne benachteiligt.

Macron warnte, die USA könnten mit Importzöllen oder anderen handelspolitischen Maßnahmen reagieren, sollte die EU ihre Regeln konsequent durchsetzen. Deshalb sei eine koordinierte europäische Antwort notwendig, um die eigenen wirtschaftlichen Interessen zu schützen.

Europäische Präferenz statt Protektionismus

Der französische Präsident plädierte für eine sogenannte „europäische Präferenz“ in strategisch wichtigen Bereichen. Dazu zählte er saubere Technologien, die Chemieindustrie, Stahl, den Automobilsektor sowie die Verteidigungsindustrie. „Wenn wir das nicht tun, werden die Europäer an den Rand gedrängt“, warnte Macron.

Zugleich wies er den Vorwurf des Protektionismus zurück. Es gehe vielmehr um Fairness und Konsistenz. Europa könne seinen eigenen Unternehmen keine strengen Umwelt- und Sozialstandards auferlegen, während Importe aus Drittstaaten diesen Anforderungen nicht unterlägen. Die Zeitung Le Parisien verwies darauf, dass diese Position seit Jahren zu Macrons Kernforderungen gehört und nun auch von der Europäische Kommission teilweise aufgegriffen werde.

Gemeinsame Schulden für gemeinsame Zukunft

Ein weiterer zentraler Punkt in Macrons Argumentation ist die Einführung neuer gemeinsamer Finanzinstrumente wie Eurobonds. Damit könne die EU groß angelegte Investitionen finanzieren – insbesondere in den Bereichen grüne Transformation, künstliche Intelligenz und Quantentechnologie.

Solche Investitionen seien notwendig, um technologisch nicht weiter hinter die USA und China zurückzufallen und zugleich die Dominanz des US-Dollars zu hinterfragen. Wie Le Monde erinnert, stößt dieser Vorschlag jedoch seit Jahren auf Widerstand, vor allem in Deutschland. Ausnahmen habe es bislang nur in außergewöhnlichen Krisensituationen wie während der COVID-19-Pandemie gegeben.

Blick auf den EU-Gipfel in Brüssel

Macrons Appell erfolgt wenige Tage vor dem EU-Gipfel in Brüssel, bei dem die Staats- und Regierungschefs über Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Union beraten wollen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Beziehungen zu den USA und China sowie die Frage, wie Europa seine wirtschaftliche Eigenständigkeit sichern kann.

Für Macron steht viel auf dem Spiel. Europa habe noch die Möglichkeit, sich als eigenständiger geopolitischer Akteur zu positionieren. Doch die Zeit dränge. „Entweder wir handeln jetzt gemeinsam – oder wir werden künftig nur noch auf Entscheidungen anderer reagieren“, mahnte der französische Präsident.

Tags:

EuropaGeopolitikIndustriepolitikMacron
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Stephan Muller

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